Was ist Zöliakie?
Zöliakie, auch bekannt als Sprue ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms. Diese Erkrankung beruht auf einer fehlgeleiteten Immunreaktion gegenüber Gluten. Gluten ist ein Klebereiweiss, das in vielen Getreidesorten enthalten ist. Der Verzehr von glutenhaltigen Nahrungsmittel kann verschiedene Beschwerden verursachen. Daher ist eine glutenfreie Ernährung wichtig und notwendig.
Es ist eher schwierig zu definieren, zu was Zöliakie gehört. Zöliakie kann man weder als Allergie noch als Autoimmunerkrankung bezeichnen. Allerdings hat Zöliakie von Beiden Merkmale.
Eine Allergie wird als übermässige Reaktion des Immunsystems auf eine eigentlich harmlose Substanz definiert. Dies ist bei Zöliakie der Fall, denn das Immunsystem reagiert auf das eigentlich harmlose Gluten mit einer überschiessenden Immunantwort.
Doch bei Zöliakie bildet das Immunsystem aber auch Antikörper gegen das körpereigene Enzym Gewebetransglutaminase. Diese Eigenschaft, dass das eigene Immunsystem körpereigenen Strukturen angreift, zeichnet die Autoimmunerkrankung aus.
Es gibt wissenschaftlich keine deutlichen Begriffe, die sich durchgesetzt haben, deshalb wird meist auch von einer Glutenunverträglichkeit gesprochen.
Symptome und mögliche Beschwerden
Die folgenden Symptome können individuell auftreten. Sie können je nach Person unterschiedlich ausgeprägt sein und nicht alle Symptome müssen zutreffen, da jeder Körper anders reagiert.
Symptome im Erwachsenenalter:
-Müdigkeit
-Erschöpfung
-Blutarmut
-Eisenmangel
-Vitaminmangel (z.B. Vitamin B12, Vitamin D)
-Gewichtsverlust
-Durchfall oder Verstopfung
-Blähungen
-Appetitlosigkeit
-Erbrechen
-Bauch- oder Knochenschmerzen
Symptome bei Kleinkindern:
-Durchfall oder massiger, stark riechender Stuhlgang
-Blähbauch
-Bauchschmerzen
-Gewichtsverlust
-Wachstumsstillstand oder -rückstand
-verzögerte Pubertät
-Blässe
-Übelkeit
Ursachen und Auslöser
Zöliakie-Betroffene Personen haben eine genetische Vorbelastung, auch Prädisposition genannt. Daher beschädigt bei ihnen die Zufuhr von Gluten die Dünndarmschleimhaut. Es entsteht eine Entzündung im Darm, wodurch die Dünndarmzotten abgebaut werden und die Oberfläche sich verkleinert. Auf Grund der Verkleinerung werden Nährstoffe schlechter aufgenommen und der Körper verfügt nicht mehr über genügend Nährstoffe.
Behandlung
Die bis jetzt einzige bekannte Therapie der Zöliakie ist eine lebenslange, glutenfreie Ernährung. Es empfiehlt sich, eine strikte Diät einzuhalten, denn dadurch gewinnt die abgeflachte Dünndarmschleimhaut ihre normale Gestalt zurück. Der Dünndarm kann sich wieder beruhigen und genügend Nährstoffe aufnehmen. Falls die glutenfreie Ernährung ignoriert oder die Nahrung nicht umgestellt wird, können dem Körper langfristige Folgeschäden entstehen.
Damit eine strikte Diät umzusetzen ist, sind folgende Punkte zu beachten:
- Jeglichen glutenhaltigen Getreidesorten, wie Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Dinkel und Urdinkel, Grünkern, Kamut, Einkorn, Emmer, Triticale und alle daraus hergestellten Lebensmittel wie Brot, Teigwaren, Mehl usw. sind zu vermeiden.
- Glutenfreier Hafer kann verspeist werden, wenn er „rein“ ist (ohne Spuren von Weizen, Roggen …).
- Glutenfreie Getreidesorten sind: Mais, Reis, Hirse, Buchweizen, Amaranth, Quinoa, Maniok, Tapioka, Teff, Fonio, Gofio, Sorghumhirse und Mohrenhirse.
- Es ist wichtig die Deklarationen gründlich zu gelesen, sodass man sicher sein kann, dass es glutenfrei ist.
- Hinweis: Saucen, Gewürze, Fleisch mit Marinaden, Schockolade und Süssigkeiten können Gluten enthalten. Dabei herrscht gebotene Vorsicht.
Wichtige Begriffe auf der Zutatenliste
Es gibt in Fertigprodukten auf der Zutatenliste viele Begriffe, die verwirrend sein können.
Die Reihenfolge der Inhaltsstoffe ist mengenmässig absteigend.
Am verwirrendsten sind die folgenden Begriffe:
- „kann Gluten enthalten“: Diese Kennzeichnung ist in erster Linie die juristische Absicherung des Herstellers. Diese Produkte müssen nicht konsequent gemieden werden.*
- Weizenstärke kann Gluten enthalten, da aber die Glutenmenge gering ist, ist es erlaubt.*
- Stärkesirup ist ein Glukosesirup und ist somit glutenfrei.
- Malz (besteht aus gekeimter Gerste): enthält Gluten
- Malzextrakt enthält Spuren von Gluten und ist nur erlaubt*, wenn die Menge sehr gering ist.
- Malzzucker: glutenfrei
- Hafer: gehört grundsätzlich nicht zu den Weizengewächse, jedoch ist darauf zu achten, dass die Verpackung von Haferprodukten glutenfrei gekennzeichnet ist, da in der Schweiz die Hafer- und Weizenproduktion in den gleichen Produktionsbetrieben sind und verunreinigt werden kann.
- Glutenfreie Verdickungsmittel: Geschmacksverstärker (Glutamat), Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, Marantamehl, Natrium-Glutamat, Tarakernmehl und weitere, die aber eher seltener genutzt werden.
Das Glutenfrei-Symbol ist ein Symbol, in dem eine Ähre (Getreideart) im Kreis durchgestrichen wird. Zur Kennzeichnung von glutenfreien Produkten, die in der Schweiz verkauft werden, wird das Glutenfrei-Symbol verwendet. Es ist ein internationales Zeichen und für Zöliakie-Betroffene sehr wichtig, da es sich bei dem Produkt um ein eindeutiges, kontrolliertes glutenfreies Produkt handelt.
*Bemerkung: wenn man weiss, dass man auf die geringsten Mengen von Gluten mit starken Beschwerden reagiert, oder die Antikörper im Blut bei der Jahreskontrolle erhöht sind, ist darauf zu verzichten